• Der Finanzwesir rockt - Der etwas andere Podcast über Geld und finanzielle Bildung

    Folge 43: ETF-Sparpläne

    Sparpläne – na klar, was soll man dazu schon groß sagen. Sie sind sinnvoll, schnell eingerichtet und oft kostenfrei. Fertig!
    Sagen wir: Fast fertig. Daniel und ich haben genauer hingesehen und festgestellt: Es gibt – im operativen Detail – eine Menge Unterschiede.

    1. Mögliche Sparplanraten (min, max)
    2. Sparplanintervalle (monatlich bis jährlich)
    3. Ausführungstage (zwischen einem und vier)
    4. Dynamisierung
    5. Automatische Wiederanlage von Ausschüttungen (haben nur wenige und dann manchmal noch mit Bedingungen verknüpft)
    6. Zahl der ETF pro Sparplan
    7. Lastschrifteinzug von Drittkonten
    8. Zahl der ETF und Anbieter
    9. Zahl der kostenlosen Aktions-ETF
    10. Depotgebühren
    11. Kaufkosten

    Wenn Sie diese elf Kriterien in endlicher Zeit zu einem funktionierenden Sparplan zusammenbauen wollen müssen Sie kompromissfähig sein. Optimierer, die sich die Auswahl des S-Brokers zum Onvista-Preis mit der Comdirect Portfolio-Flexibilität wünschen werden scheitern.
    Der Finanzrocker sagt ganz richtig:

    „Einen Tod muss man sterben.“

    Unser Fazit: Ein Sparplan ist eine Psycho-Krücke. Man hat ihn nicht, um zu sparen, sondern um in der Krise weiter zu sparen. Das macht die Rendite und nicht die Kaufkostenfuchserei.

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    Finanzbegriff der Woche

    Der Cost Average Effect soll eintreten, wenn man regelmäßig die gleiche Summe in Aktien oder ETFs investiert. Ist der Kurs hoch, bekommt man weniger Wertapiere, sinkt der Kurs füllt sich das Depot schneller.
    Das Problem: Cost average klingt cool und wird von den Banken massiv beworben, hält aber einer kritischen Überprüfung nicht stand. Die Einmalanlage ist kostengünstiger und dazu noch renditeträchtiger.
    Eine Untersuchung des New Yorker Vermögensverwalters Gerstein Fisher zeigt: Die Durchschnittsmethode ist schädlich. So nahmen die Experten den Zeitraum von Januar 1926 bis Dezember 2010 unter die Lupe. Einmalinvestments schnitten demzufolge in 20-Jahres-Abschnitten besser ab, als diejenigen, die den Einstieg in zwölf Schritten innerhalb eines Jahres unternahmen. 70 Prozent der Einmalanleger erzielten eine höhere Rendite.
    Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für den DAX.

    „Für eine fundierte Aussage betrachten wir dabei das gesamte Spektrum der DAX-Entwicklungen seit 1964 in rollierenden 10-Jahreszeiträumen. Dabei haben wir die durchschnittliche Investitionsquote der Einmalanlage auf das gleiche Niveau des Sparplans gesenkt, um vergleichbare Aussagen zum Risiko und Rendite beider Alternativen zu erhalten. Mit der Einmalanlage lassen sich in 2/3 der Fälle höhere Endvermögen erzielen als mit einem Sparplan, obwohl das Risiko (Kapitalbindung, Volatilität) beider Strategien gleich ist. Im Mittel hat die Einmalanlage eine jährliche Rendite von 4,5 Prozent erzielt, während die durchschnittliche Rendite der Sparpläne bei 3,9 Prozent lag. Damit verpufft der Cost-Average-Effekt an der Realität und sollte ad acta gelegt werden.“
    Quelle Mars Asset Management

    Buchempfehlung des Finanzwesirs

    Der Cost Average Effekt in der Anlageberatung – Einsatzmöglichkeiten und Grenzen sowie deren mathematische Hintergründe* von B. Hofmann, M.Richter, F.Thießen und R. Wunderlich (TU Chemnitz)

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    Folge 42: Crash-Angst – Anlegen in Zeiten der Unsicherheit

    An der Börse ist jeden Tag Suppenkasper: „Nein, meine Aktien kauf‘ ich nicht!“ Die Kurse sind immer entweder zu hoch oder zu tief und niemand weiß, ob ab morgen nicht doch Roland Emmerich an der Wall Street die Regie übernimmt.
    Also lieber noch einen Tag warten. Und so steht man am Rinnstein und das Börsenleben zieht an einem vorbei und das Leben wird grau und man war nie dabei. Weder als es regnete und auch nicht, als die Sonne schien. Und das einzige, was sicher ist, ist die staatliche Rente auf „Reicht-für-nicht-unter-der-Brücke“-Niveau.
    Was tun?
    Vielleicht auf die Alberts hören.

    Einstein sagt:

    „Man muß die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.

    Schweizer sagt:

    „Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.“

    Wir sprechen im Podcast über den Unterschied zwischen komplex und kompliziert.
    Kompliziert ist einfach. Zumindest für intelligente Menschen mit genug Zeit.
    Komplex ist tödlich. Zumindest für intelligente Menschen, die sich Zeit nehmen.
    Nichts lähmt einen Ingenieur oder Naturwissenschaftler zuverlässiger als eine solide Portion Komplexität. Komplexität ist wie eine unendliche Folge von Babuschkas. In jeder Puppe steckt nur eine weite Puppe und nicht der finale Erkenntnisgewinn.

    Wir erklären im Podcast, was Sie tun müssen, um endlich anzufangen.

    Unser Fazit

    „Weniger falsch“ ist das neue „Richtig“. Werden Sie Holist und lernen Sie den Kontrollverlust zu lieben.
    Und im Übrigen: Komplexität kann man wegreden. Auch in Ihrer Stadt treffen sich Finanzwesir-Leser und sprechen über Gott & die Welt und Geld & Finanzen.

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    Finanzbegriff der Woche

    Holismus. Man kann die Börse nicht als Summe ihrer Einzelteile begreifen, sondern muss sie als ganzen lebenden Organismus sehen. Nur weil Sie eine Sache vollständig auseinander genommen haben, bedeutet das nicht, dass Sie auch verstanden haben, was dieses Ding „im Innersten zusammenhält“. Das ist Holismus. Jeder redet mit jedem und alles rückkoppelt sich gegenseitig.
    Man muss da ein bisschen aufpassen, denn die Grenzen zwischen Holismus und Mystizismus sind fließend („Das Tao der Physik“). Aber letztlich erklären alle Religionen und Glaubensrichtungen die Welt holistisch.
    Die klassischen Schulfächer sind alle reduktionistisch ausgelegt, die Ökologie, die Ethnologie und die Systemtheorie (Kybernetik (Regelungs- und Kommunikationstheorie) und Chaostheorie) sind holistisch ausgerichtet.

    Buchempfehlung des Finanzwesirs

    Team of Teams: New Rules of Engagement for a Complex World* von General Stanley McChrystal.
    Team of Teams: New Rules of Engagement for a Complex World

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    Folge 41: Psychologische Fallstricke

    Excel rockt!
    Leider nur bedingt.
    Excel sagt ganz trocken: A1 – B2 = -5%
    Unser Gehirn interessiert das nicht, denn es funktioniert wie das Setup eines Metal-Gitarristen. Der Ton wird erst einmal durch eine Kette emotionaler und kognitiver Verzerrungen gejagt und bricht dann brüllend laut über uns herein.

    • -5%, das kann bedeuteten: VERKAUFEN!!!!!!!
    • -5% kann aber auch heißen: KAUFEN!!!!!!

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    Folge 40: Faktor-ETFs, Smart Beta

    Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht.

    In dieser Folge sprechen wir über Faktor-Investing, auch beworben als Smart Beta. Wobei William Sharpe (Nobelpreisträger & Erfinder der Sharpe-Ratio) sagt, dass ihn dieser Begriff krank macht. An Smart Beta ist nichts smart. Es sind im besten Fall regelbasierte quantitative Strategien, die den industrialisierten und damit kostengünstigen Zugriff auf Faktor-Premiums erlauben. Dinge, die früher als heiliges Alpha zu einem hohen Preis verkauft wurden, weil nur aktive Guru-Manager dieses Alpha schöpfen konnten.

    Wie gesagt: Im besten Fall. Im schlechtesten Fall sind es verzweifelte aktive Manager, die ihren Kram umbenennen und versuchen auf der Smart-Beta-Welle noch ein paar Euros abzugreifen.

    Im Laufe der Jahre haben die Ökonomen einen ganzen Faktor-Zoo auf die Beine gestellt. Die akademische Literatur kennt über 600 Faktoren. Wenn man die aber böse anschaut und den Rotstift zückt verschwinden die beiden Nullen und aus 600 werden 6.
    Diese sechs sind beständig, weit verbreitet, robust, investierbar und logisch erklärbar.

    1. Beta-Faktor
    2. Size-Faktor
    3. Value-Faktor
    4. Momentum-Faktor
    5. Die Faktoren Quality & Profitability
    6. Term-Faktor

    Wir schauen uns diese Faktoren an und versuchen daraus ein Portfolio zu bauen. Das ist gar nicht so einfach, denn Faktoren bucht man nicht so einfach dazu. Faktoren-Prämien ersitzt man sich mit einem Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren.
    Sie können Faktoren nicht einfach so zusammenrühren. Manche verstärken sich, andere löschen sich aus. Wer am Faktoren-Buffet willenlos „einmal alles“ bestellt hat gute Chancen auf die Performance eines MSCI World zum Wucherpreis. 

    Und wer das nicht macht, kriegt trotzdem einen Kater namens Tracking-Error-Regret. Mehr dazu im Podcast.

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    Auf englisch

    Finanzbegriff der Woche

    Sharpe Ratio – Auf die risikobereinigte Performance kommt es an!

    „8%, will ich!“, so denkt er, der Privatanleger. Blöd nur, dass er dabei blind für die Risiko-Krokodile ist. Die Sharpe Ratio sagt, gegen wie viele Krokodile Sie für jedes Renditeprozent antreten müssen.

    Entwickelt wurde die Sharpe Ratio vom Nobelpreisträger William Sharpe (gut, dass Sharpe kein Bayer ist. Schickelgruber-Verhältnis klingt irgendwie nach Kir Royal).

    Berechnung der Sharpe Ratio

    Zuerst ziehen Sie die Verzinsung einer risikolosen Anlage (Tagesgeld) von der Rendite des ETFs ab. Die verbleibende Rendite teilen Sie durch das eingegangene Risiko. Dabei dient díe Standardabweichung als Risikomaß. Es gilt: Je mehr Euros der ETF pro Risikoeinheit einbringt, desto höher die Sharpe Ratio.

    Die Grundidee

    Anleger wollen Rendite ohne Schwankungen (Volatilität).
    Zwei Fonds lieferen eine Rendite von 10%. Einer schwankt um +/- 10%, der andere um +/- 15%. Ganz klar: Der Wenigschwanker wird gekauft.

    Leider ist das nicht die Regel. Meist muß ich als Anleger aber zwischen Wertpapieren wählen, von denen eines zwar etwas schwächer in der Rendite, aber eben auch etwas weniger risikobehaftet ist. Hier gibt die Sharpe Ratio die notwendige Hilfestellung.

    Das lässt sich an einem Beispiel illustrieren: Fonds A übertrifft die Tagesgeldrendite um 10% pro Jahr. Die Standardabweichung betrugt 20%. Dies resultiert in einer Sharpe Ratio von 10/20, das lässt sich zu 0,5 kürzen.

    Fonds B generierte lediglich 8% pro Jahr aber mit einer geringeren Standardabweichung (15%), wodurch sich insgesamt eine etwas höhere Sharpe Ratio von 8/15 = 0,53 ergibt. Fonds A hatte die bessere Rendite, aber Fonds B lieferte mehr Rendite für das eingegangene Risiko und ist deshalb vorzuziehen.

    Je höher die Standardabweichung (Volatilität) eines Fonds, desto höhere Renditen sind erforderlich, um eine hohe Sharpe Ratio zu erzielen. Dagegen benötigen Fonds mit geringerer Volatilität weniger hohe Renditen, um eine attraktive Sharpe Ratio auszuweisen. Eine hohe Sharpe Ratio garantiert somit nicht, dass ein Fonds risikoarm ist.

    Auch ein wild schwankender „No-risk-no-fun“-ETF kann eine hohe Sharpe Ratio haben. Wenn die Rendite noch mehr Gas gibt als das Risiko passt alles. Zumindest in Excel. Was Ihr Magen zu dieser Achterbahnfahrt sagt, steht auf einem anderen Blatt.
    Die Sharpe Ratio ist relativ. Sie können mit ihrer Hilfe ETFs vergleichen und sortieren, aber sie macht keine direkte Aussage über das eingegangene Risiko.
    Eine Sharpe Ratio kleiner Null bedeutet: Besser verkaufen und in Tagesgeld umschichten. Dieses Investment erwirtschaftet noch nicht einmal den risikolosen Zinssatz.

    Buchempfehlung des Finanzwesirs

    Beide Bücher sind von Andrew L. Berkin und Larry E. Swedroe.

    Your complete guide to factor-based Investing Your Complete Guide
    to Factor-Based Investing:
    The Way Smart Money
    Invests Today
    *
    Alt text The Incredible Shrinking Alpha:
    And What You Can
    Do to Escape Its Clutches
    *

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    Folge 39: Aktienstrategien

    Mit der richtigen Strategie die richtige Aktie finden und dann zackig richtig reich werden. Soweit die Werbung auf den einschlägigen Portalen. Der Finanzrocker lässt es in diesem Podcast langsamer angehen. Schneller Reichtum wird nicht versprochen. Wir schauen uns diese fünf Strategien an

    1. Momentum- und Trendfolgestrategien, nicht nur mit Aktien, sondern gehebelt mit Derivaten
    2. Die Dividendenstrategie, aktuell eine der beliebtesten Strategien. Entsprechende Facebook-Gruppen haben schon 10.000 Mitglieder und freuen sich über 500 neue Mitglieder pro Woche.
    3. Magic Formula
    4. Levermann-Strategie
    5. Value Strategie

    Diese Strategien können auch kombiniert werden. Dividendenstrategie plus Magic Formula, Value plus Dividende. Solange man sich die Rohwerte aus dem Internet herunterladen kann, rechnet Excel alles aus. Es bleibt Ihnen überlassen den Sinn dahinter zu finden.
    Sinn und Zweck dieser Strategien ist es Alpha zu generieren. Deshalb betreiben Sie Stock Picking und Markttiming. Sie wollen eine Rendite jenseits der Marktrendite, die man auch mit ETFs bekommt.
    Die Frage ist: Welches Risiko muss ich auf mich nehmen, um dieses Alpha zu erwirtschaften? Wenn ich mich nur genug ins Risiko begebe, dann erhöhe ich meine Chance auf den Jackpot.
    Jeder Aktienstratege muss deshalb nicht nur die Rendite ausrechnen, sondern auch das Risiko quantifizieren. Nur wer die risikoadjustierte Rendite kennt kann die Frage: „Lohnt der Aufwand?“ beantworten.

    Links zum Thema der Woche

    Finanzbegriff der Woche

    Fair Value, auch innerer Wert genannt.
    Unter dem inneren Wert versteht man in der Finanzanalyse den Wert eines Unternehmens beziehungsweise einer Aktie auf Basis objektiver Bewertungsmaßstäbe. Den inneren Wert einer Aktie zu bestimmen ist nicht trivial. Es ist schwer permanent die Aktiva und Passiva einer Firma gegenüberzustellen. Dazu kommt das Problem des „Goodwill“. Das Langer voller Produkte lässt sich monetär bewerten, aber wie bepreist man die Patente, die die Produktion erst ermöglicht haben und wie das Know-how und das Engagement der Mitarbeiter neue Patente zu entwickeln?
    Deshalb behilft man sich mit den Kennzahlen „Gewinn pro Aktie“ und „Umsatzwachstum“. Diese beiden Kennzahlen fließen in die Berechnung des Fair Value ein.

    Ein Beispiel: Ist VW eigentlich nach dem Dieselskandal noch value?

    • Gewinn pro Aktie 2016: 10,26 €
    • Umsatzwachstum 2016: 1,68%
    • Errechnetes Fair Value 29,36 €
    • Kurs heute 137,20 €
    • Differenz -97,84 €, VW ist kein Value Wert. Die Aktie notiert fast 100 € über dem Fair Value.

    Medienempfehlung des Finanzrockers

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