Folge 46: Robo-Advisors

Robo-Advisor, ein Begriff so trennscharf und exakt wie Auto. Hinter dem Begriff Robo-Advisor verbirgt sich ein buntes Angebot. Manche Angebote sind vollständig automatisiert, andere begreifen sich als „die perfekte Symbiose aus Mensch und Maschine“. Fast alle setzen auf ETFs als Komponenten. Aber manche Anbieter wie Fintego sind vollkommen passiv und rebalancen nur regelmäßig. Andere wie Scalable oder Liquid sind stolz auf ihr aktives Management und versuchen ihren Vergleichsindex zu schlagen.
Auch rechtlich unterscheiden sich die Anbieter erheblich. Unter den mittlerweile 31 Robos gibt es

  • Finanzanlagenvermittler nach § 34f Absatz 1 der Gewerbeordnung (der Robo macht Ihnen einen Vorschlag, Sie entscheiden),
  • von der BaFin lizenzierte Vermögensverwalter gemäß § 32 Kreditwesengesetz (Sie geben dem Robo Ihr Geld, der Robo entscheidet).

Das bedeutet: Erst mal klären, mit wem man es zu tun hat.

Wir sezieren im Podcast die Kosten der Robos und schauen uns die Renditen an. Die meisten Robos sind noch sehr jung – kaum dem Windelalter entwachsen. Wer erst seit 2014 auf dem Markt ist, hat natürlich noch keinen zehnjähringen Track Record vorzuweisen, den man eigentlich für eine seriöse Beurteilung braucht.
Die Renditespreizung der 2016er Performance ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. 2020 kann das Ranking schon wieder ganz anders aussehen.

Kategorie Sieger Verlierer
Geringes Risiko Vaamo: 6,9% Quirion: 1,8%
Mittleres Risiko VisualVest: 10,4% fintego: 3,8%
Hohes Risiko Ginmon: 14,3% Scalable Capital: 5,8%

Quelle: Robo-Advisor: Zeit für den Performance-Check

Wir diskutieren auch Alternativen wie den Vermögensstrategie-ETF vom Comstage und den Arero-Fonds. Beide sind eine Art Proto-Robos. Noch nicht ganz Robo-Advisor, aber auch nicht mehr 100% Affe.

Dafür und Dagegen

Wir beleuchten die ganzen Vorteile der Anbieter, fragen dann aber ganz ketzerisch: „Sind das nicht bloß alles aufgemotzte Dachfonds?“
Was uns ein wenig Sorge bereitet: Bis jetzt haben die die Anbieter nur Peanuts eingesammelt. Die 31 Robos verwalten rund 850 Millionen Euro. Das Zinsportal Weltsparen alleine kommt auf vier Milliarden Euro Anlegergelder. Zinspilot als Nummer zwei schmeißt noch einmal 2 Milliarden an Kundengeldern in den Pott. Das ist das Siebenfache von dem, was die Robos bis jetzt einwerben konnten.
Robo-Advisory ist – genau wie das ETF-Business – ein Skalengeschäft. Wer in den nächsten 5 Jahren nicht mindestens 500 Millionen einsammeln kann, wird auf der Strecke bleiben. So meine Vermutung.

Fazit

  1. Drum prüfe wer sich bindet. Ist mein Wunsch-Robo ein Fondsvermittler oder ein Vermögensverwalter? Arbeitet er aktiv oder passiv? Investify mit seinen Sektorwetten und Liquid mit seinem Family-Office-Ansatz sind schon sehr nah an der klassischen aktiven Privatbank-Vermögensverwaltung. Kostengünstiger halt, weil sie auf ETFs statt auf aktive Fonds mit einer Kostenquote von 2% setzen.
  2. Rechtfertigt die gebotene Leistung die Kosten? Je nach Anbieter und Depotgröße werden zwischen 0,25 % und 1,5% des Vermögens als Gebühr erhoben. Dazu kommen noch die ETF-Kosten, die im Schnitt bei 0,25% liegen.
  3. Glaube ich daran, dass mein Robo die Konsolidierungswelle überstehen wird?
  4. Die berüchtigte Frage nach dem Mehrwert: Was genau hält mich davon ab, die Sache selbst in die Hand zu nehmen? Und: Ist ein Robo wirklich in der Lage diese Defizite auszugleichen?

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