Folge 41: Psychologische Fallstricke

Excel rockt!
Leider nur bedingt.
Excel sagt ganz trocken: A1 – B2 = -5%
Unser Gehirn interessiert das nicht, denn es funktioniert wie das Setup eines Metal-Gitarristen. Der Ton wird erst einmal durch eine Kette emotionaler und kognitiver Verzerrungen gejagt und bricht dann brüllend laut über uns herein.

  • -5%, das kann bedeuteten: VERKAUFEN!!!!!!!
  • -5% kann aber auch heißen: KAUFEN!!!!!!

Ruhe erste Bürgerpflicht! Raus aus dem Moshpit der Emotionen.

Wir präsentieren die 8 größten Feinde der Rendite:

  1. Home-Bias: Nur was der Bauer auch kennt, nimmt er zu sich. Problem fürs Depot: Deutschland ist nicht die Welt. Viele gute Firmen haben ihren Sitz außerhalb Deutschlands
  2. Overconfidence-Bias: Es gibt einen schmalen Grat zwischen gesundem Selbstbewusstsein und Größenwahn.
  3. Self-Serving-Bias: Der kleine Bruder des Overconfidence Bias. Erfolge sind mein Verdienst, wenn’s mal nicht so läuft ist jede Ausrede gut genug.
  4. Verlustaversion: Ein anderer Ausdruck für Besitzstandswahrung
  5. Regret Aversion: Heute schon Angst haben, womöglich morgen etwas zu bedauern. Soweit in die Zukunft muss man erst mal denken.
  6. Trend-Chasing: Klar gibt’s den Spruch „The trend is your friend“. Aber was bringt es Gewinnen hinterher zu jagen, die andere längst gemacht haben.
  7. Aktuelle Stimmung: Laufen Sie nicht jeder News-Sau nach, die durchs Dorf getrieben wird.
  8. Verwechseln von Korrelation und Kausalität. Nicht jeder, der eine Korrelation findet, darf sich eine Kausalität dazu ausdenken. Werden Sie misstrauisch, wenn Ihnen jemand den Verlauf der Aktienkurse mit einem Satz erklären will, der mit weil anfängt.

Links zum Thema der Woche

Finanzbegriff der Woche

Der Bias – auch kognitive Verzerrung genannt – ist ein kognitionspsychologischer Sammelbegriff für systematische fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Sie bleiben meist unbewusst und basieren auf kognitiven Heuristiken.
Biase begleiten uns durchs ganze Leben. Abseits der Börse finden wir

  • den Attributionsfehler: Die Neigung, die Ursache für ein beobachtetes Verhalten zu oft in (feststehenden) „Charaktereigenschaften“ der handelnden Person und zu selten in den (variablen) Merkmalen der jeweiligen Situation zu suchen
  • die Ankerheuristik: die Tatsache, dass Menschen bei bewusst gewählten Zahlenwerten von momentan vorhandenen Umgebungsinformationen beeinflusst werden, ohne dass ihnen dieser Einfluss bewusst wird
  • den Bestätigungsfehler: Die Neigung, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen erfüllen
  • das Hot-Hand-Phänomen: Eine zufällige Häufung von Erfolgen im Sport und Glücksspiel wird als „einen Lauf haben“ oder als „Glückssträhne“ angesehen.
  • den Gender-Bias: Die Neigung Rollenklischees entsprechende Vermutungen anzustellen (Baggerführer = Mann, Kindergärtnerin = Frau).
  • den Default-Effekt: Übermäßige Bevorzugung derjenigen Option, die in Kraft tritt, wenn ein Agent keine aktive Entscheidung trifft.
  • Déformation professionnelle: Die Neigung, eine berufs- oder fachbedingte Methode oder Perspektive unbewusst über ihren Geltungsbereich hinaus auf andere Themen und Situationen anzuwenden
  • den Dunning-Kruger-Effekt: Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen, Dunning und Kruger hatten in vorausgegangenen Studien bemerkt, dass etwa beim Erfassen von Texten, beim Schachspielen oder Autofahren Unwissenheit oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen.

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